Freitag, 25. September 2026|20:00
Mandelring Quartett / Roland Glassl / Sebastian Klinger
Dmitri Schostakowitschs erstes Streichquartett entstand 1938 und steht am Beginn eines Zyklus von insgesamt 15 Quartetten, die heute zu den bedeutendsten Beiträgen zur Gattung im 20. Jahrhundert zählen. Anders als viele seiner späteren Kammermusikwerke wirkt dieses erste Quartett jedoch erstaunlich hell, gelöst und beinahe unbekümmert. Wer Schostakowitsch vor allem als Komponisten von scharf konturierter, oft doppelbödiger und existenziell aufgeladener Musik kennt, begegnet hier einer anderen Seite seines Schaffens: einer Musik von großer Transparenz, klassischer Klarheit und jugendlicher Frische. Es ist kein Werk der großen Geste, sondern eines der feinen Nuancen und der ausgewogenen Proportionen. Piotr Tschaikowskys 1890 geschriebenes Opus 70, Souvenir de Florence, gehört zu den glanzvollsten Werken der romantischen Kammermusik. In Florenz entwickelte Tschaikowsky erste Ideen zu seinem Sextett. Leidenschaftlich, gesanglich, farbenreich und von großer emotionaler Intensität kommt das technisch anspruchsvolle Werk teils geradezu sinfonisch daher. Die Besetzung mit zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli eröffnet Tschaikowsky besonders volle und warme Klangmöglichkeiten. Ein russisch geprägtes, herrliches akustisches Italienbild? Das möge jede und jeder für sich selbst hören und empfinden. Und noch einmal volle Streicherklänge: Johannes Brahms komponierte sein erstes Streichsextett in den Jahren um 1860. Die Komposition des jungen Brahms zeigt bereits Eigenschaften, die seine Musik später so unverwechselbar machen sollten: formale Ausgewogenheit, motivische Dichte, klangliche Wärme und eine tiefe, nie aufdringliche Expressivität. Mit führendem Part im ersten Violoncello strotzt Brahms’ erstes Sextett geradezu vor herrlichen melodischen Einfällen.