Schon die ersten Takte dieser Aufführung versprechen eine besondere Begegnung mit einem Koloss der Sinfonik: Karina Canellakis, bekannt für ihre präzise Handschrift und ihre unmittelbare musikalische Energie, stellt sich mit dem Radio Filharmonisch Orkest Anton Bruckners Fünfter. Ihr Zugang vereint Klarheit und Leidenschaft – ein Dirigat, das große Spannungsräume öffnet und zugleich feinste Details ausleuchtet. Canellakis formt diese Musik nicht als Monument, sondern als lebendigen Organismus. Als Chefdirigentin führt sie das Orchester mit einer Mischung aus analytischem Blick und erzählerischem Atem, wodurch jene charakteristische innere Glut entsteht, die Bruckners Klangwelt so unwiderstehlich macht. Erst aus dieser interpretatorischen Haltung heraus erschließt sich die ganze Tiefe von Anton Bruckners Fünfter Sinfonie. Der Komponist selbst sprach von einem »kontrapunktischen Meisterstück« – und tatsächlich vereint das Werk strenge formale Logik mit existenzieller Dringlichkeit. Entstanden in einer Phase persönlicher Enttäuschung, als sich Bruckners Hoffnungen auf eine Professur in Wien wiederholt zerschlugen, wirkt die Sinfonie wie ein musikalisches Ringen um Halt und Selbstbehauptung. Drei prägnante Themen, choralartige Blechbläserklänge und blockhaft geschichtete Klangräume bestimmen das Geschehen. Gewaltige Steigerungen bauen sich auf, scheinen zu versiegen und setzen doch erneut an, mit noch größerer Entschlossenheit. Dass dieses Werk erst rund 40 Jahre nach seiner Entstehung den Weg in die Konzertsäle fand, verleiht ihm bis heute den Charakter eines späten, umso eindringlicheren Bekenntnisses.
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