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zondag 15 november 2026|18:00

NDR Elbphilharmonie Orchester / Marek Janowski

Elbphilharmonie, Hamburg

Echter Bruckner, ohne Wagner. Bruckner mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester – das ist Legende! Und ebenso sind es mittlerweile die Konzerte mit Marek Janowski am Pult der Hamburger Musiker:innen. Nachdem er hier in den vergangenen Jahren Wagner, Brahms und Schumann dirigiert hat, kehrt der Fachmann für das sinfonische Repertoire der deutschen Romantik nun also mit einer Bruckner-Sinfonie im Gepäck zurück. Bezeichnenderweise hat der ausgewiesene Wagner-Dirigent Janowski sich dabei die Dritte Sinfonie des großen Sinfonikers ausgesucht – dasjenige Werk, mit dem Bruckner explizit seinem Idol Richard Wagner huldigte. Voller Eifer war der »arme Organist aus Wien« (so die wenig schmeichelhafte Einschätzung von Seiten des Verehrten) damals nach Bayreuth gefahren, um den »Meister aller Meister« persönlich um die Annahme der Widmung der Dritten zu bitten. Während die Sinfonie bei diesem jedoch allenfalls auf beifällige Anerkennung stieß, gilt sie heute als die vielleicht erste, in der Bruckners unverkennbarer Personalstil bereits in Vollendung ausgeprägt ist – erstrecht in der von Janowski dirigierten endgültigen Fassung, in der Bruckner alle offensichtlichen Wagner-Zitate tilgte. Auch Anton Bruckner hinterließ am Ende seines Lebens übrigens eine »Unvollendete«: Seine Neunte Sinfonie verblieb ohne Schlusssatz, weil der Meister über der Arbeit verstarb. Warum hingegen Franz Schuberts »Unvollendete« unfertig blieb, hat vermutlich ebenso viele Kommentatoren beschäftigt wie die Frage, worüber die Mona Lisa lächelt. Am Tod lag’s nicht, denn Schubert komponierte nach seiner chronologisch Siebten noch eine vollständige Nr. 8. Wahrscheinlich blieb der Torso einfach aufgrund anderer, dringlicherer Arbeit liegen – und so verschwand die Sinfonie bis 1865 in einer Schublade. Umso größer war die Überraschung beim posthumen Auffinden der Partitur: Schubert hatte hier einen gegenüber seinen ersten sechs Sinfonien viel reiferen, vor allem persönlicheren Stil gefunden, der sich gleich im atmosphärischen Beginn des ausgesprochen ausdrucksstarken Werks ankündigt. So wurde diese wahrhaft »vollendete« Musik zum wohl berühmtesten Fragment der Musikgeschichte.

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