Philharmo
Foto: Burkhard Mücke / CC BY-SA 4.0
dimanche 11 octobre 2026· 20:00Complet

Buchpremiere »Pony Show« – Harbour Front Literaturfestival

Warum interessiert sich ausgerechnet die renommierte Autorin und Verfassungsrichterin Juli Zeh für eine boulevardtaugliche Loverboy-Geschichte? Und was macht diesen Fall weit über seinen skandalträchtigen Kern hinaus interessant? Und warum interessieren wir uns so für dieses Buch? Weil sich die Öffentlichkeit – wie die Autorin Juli Zeh – für die Geschichte hinter der Geschichte interessiert und für die Frage, ob Gerichtsprozesse und/oder deren mediale Diskussion in der Lage sind, eines der höchsten Güter, die Wahrheit, ans Tageslicht zu fördern. Denn wir alle hängen an der Idee, dass es als Lebenskompass eine Wahrheit geben können müsste. Der von Juli Zeh konstruierte Fall ist so schlicht wie simpel: Eine verheiratete, erfolgreiche Unternehmerin wird mit einer Pistole aufgegriffen und verdächtigt, ihren fünfundzwanzig Jahre jüngeren Mitarbeiter und angeblichen Lover umgebracht zu haben: Mordverdacht. Der Fall landet vor dem Hamburger Landgericht und entwickelt sich zu einem medialen Ereignis, das die Öffentlichkeit spaltet: Aha, Frauen agieren, einmal in Machtpositionen geraten, genauso toxisch wie Männer? Der juristische Prozess und die mediale Begleitmusik, die eigentlich der Wahrheitsfindung dienen sollen, drohen, sich zum Gegenteil zu entwickeln, die Wahrheit zu verdrehen und zu verdecken. Was aber passiert mit unserem ethischen Kompass, wenn die Wahrheit nicht ans Licht kommt? Was passiert, wenn die Medien als vierte Gewalt im Staat die Judikative aushebeln, selbst Wahrheitsfindung betreiben, aber in Wahrheit genau die Wahrheit, die sie aufzudecken hoffen, nur manipulieren? So wird das Justizdrama zum Spiegel einer Gesellschaft, die in Zeiten von Fake News um ihr Verhältnis zur Wahrheit ringt, um den nicht verhandelbaren Kern also.

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