Ein pulsierender, rhythmisch treibender Orchesterteppich bildet den Hintergrund, vor dem sich eine fein strahlende Violinstimme abhebt. Als Philip Glass 1987 sein Violinkonzert komponierte, dachte er an seinen verstorbenen Vater, der die Violinkonzerte von Tschaikowsky, Beethoven, Brahms und Mendelssohn bewunderte. Also kehrte er zurück zu den Traditionen, zu einem ausdrucksstarken, spätromantischen Stil, zu Arpeggien, die an Vivaldi erinnern, zu schwebenden Kantilenen über einer barocken Passacaglia-Basslinie. Die meditative, zugleich energetische Atmosphäre macht das Violinkonzert zu einem seiner populärsten Werke. Die Kunst der langsamen Entwicklung und der kaum merkbaren Übergänge prägte schon den Stil Anton Bruckners. Seine Es-Dur-Symphonie beginnt suggestiv, beinahe emblematisch, mit einem weltfernen Hornthema über einem mystischen Streicherklang — ein Anfang, der nachhaltig das Verständnis des »Romantischen« in der Musik beeinflusste.